Erlebt Marco Polo seine Renaissance?

Erlebt Marco Polo seine Renaissance?

Was haben der aktuelle chinesische Präsident und Marco Polo gemeinsam? Sie beide machten sich die Seidenstraße zum Nutzen. Die Seidenstraße ist ein Mythos, der an orientalische Gewürze und Karawanen von Kamelen denken lässt. Doch die Seidenstraße ist auch die älteste Handelsroute der Welt. Zwischen dem Beginn im italienischen Rom und dem Ende im chinesischen Xi’an liegen 10.000 Kilometer. Eine Karawanenreise von China zum Mittelmeer und zurück dauerte etwa sechs bis acht Jahre. Neben dem Handel von Seide, Gewürzen, Keramik und Jade verbreitete sich auch Religion an der Handelsroute entlang. Der Buddhismus fasste von Indien aus in China Fuß, während sich auch das Christentum von Europa Richtung Osten ausbreitete. Unlängst verkündete China das Megaprojekt One Belt, One Road (OBOR). Die Absicht Chinas ist dabei den Handel zu intensivieren, Kosten zu senken und den Frieden zu sichern. Auf den Spuren der alten Seidenstraße sollen bis in die Mitte des Jahrhunderts neue Handelsrouten erschlossen werden. Belt meint dabei den physischen Landweg bis nach Europa, somit Güterzugschienen und Straßen. Mit Road werden die maritimen Wasserwege bezeichnet. Ein nennenswertes Beispiel für den schnellen Schienenverkehr ist die Strecke Wien – Chengdu (China). Der erste direkte Güterzug brauchte für diese Strecke 15 Tage. Auf See ist dieselbe Sendung von Hamburg nach Shanghai 50 Tage unterwegs. Eine große Zeitersparnis.

Ein Blick auf die Zahlen illustriert das ambitionierte Megaprojekt gut. Bei Verwirklichung sollen 65% der Weltbevölkerung über die neue Handelsroute erreicht werden. Ein Drittel des weltweiten Bruttoinlandprodukts soll über OBOR gehandelt werden. 65 Länder sollen miteinander verbunden sein. Die Kosten sollen sich auf über eine Billion US-Dollar belaufen. Eine 3.000 Kilometer High-Speed Zugverbindung von China nach Singapur gehört auch dazu. Das Infrastrukturprojekt umfasst auch den Bau von Kraftwerken oder Häfen entlang der Handelsstraße. China hat Großes vor. Durch den vernetzten Handel profitiert jedermann vom komparativen Vorteil des Anderen.

Das angekündigte Projekt hat große Auswirkungen auf die Logistik- und Versandbranche. Durch die hohen Infrastrukturinvestitionen kann ins Ausland schneller und kostengünstiger versandt werden. Das hat nicht nur Auswirkungen auf Großversender, sondern auch für den Mittelstand und Kleinversender. Transport und Versand werden billiger. Durch neue Häfen und Frachtterminals wird das Distributionsnetz flächendeckender. Des Weiteren kann der Versand aufgrund vom ausgiebigen Schienennetz auch nachhaltiger gestaltet werden.